OpenRAN, Konsolidierung und Nachhaltigkeit: Die nächsten 12 Monate in der Mobilfunkbranche

Die Mobilfunkbranche spielte auch im Jahr 2021 eine entscheidende Rolle in der Gesellschaft. Im Zuge weiterer Lockdowns und pandemiebedingten Einschränkungen half die Branche Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt mit Freunden, Familie und Kollegen in Kontakt zu bleiben.

Die Einführung von 5G ging zügig voran, neue Smartphones begeisterten Verbraucher und Unternehmen. Telekommunikationsunternehmen erschlossen neue Bereiche, um die Nachfrage nach hoch entwickelten Technologien für die Zusammenarbeit in Home Office und remote zu decken. Das Jahr endete mit Diskussionen über das Metaverse und darüber, welche Rolle die mobile Kommunikation bei der Verwirklichung dieser Vision, einer immersiven und vernetzten Zukunft, spielen kann.

In der aktuellen Situation ist es schwieriger denn je, präzise Vorhersagen für die Zukunft zu treffen: COVID-19 und eine sich ständig verändernde technologische Landschaft sorgen dafür. Im Folgenden gehen wir auf vier Themen ein, die für das Jahr 2022 wichtig sind.

Warum der europäische Mobilfunkmarkt reif für eine Konsolidierung ist

Die Gerüchte über eine Konsolidierung unter den europäischen Mobilfunkbetreibern sind lauter geworden. Mehrere Führungskräfte haben das Argument vorgebracht, dass der Verdrängungswettbewerb die Schulden in die Höhe treibt und die Mittel für die Aufrüstung der 5G-Netze oder Glasfaser begrenzt. Analysten meinen, dass in kleineren Ländern weniger Betreiber den Markt lukrativer machen würden und Kosten gesenkt werden können.

Während die spanische Telefónica schon seit Jahren das Thema Fusionen anspricht, sind mittlerweile auch Unternehmen wie Vodafone und die norwegische Telenor ihrer Meinung.

Das Thema stand ganz oben auf der Tagesordnung, als sich die Top-Manager der Telekommunikationsbranche im Februar/März auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona trafen. Das britische Unternehmen Vodafone merkte an, dass der durch die Pandemie entstandene Bedarf an schnellen, zuverlässigen Netzen den Regulierungsbehörden den Wert von Investitionen vor Augen geführt hat.

Fusionen und Partnerschaften gab es bereits in anderen Teilen der Welt. Es hat den Anschein, dass die Regulierungsbehörden in Europa angesichts der Bedeutung der Telekommunikation für breitere wirtschaftliche Strategien und die Gesellschaft in einer Welt nach der Pandemie offener für solche Schritte sind.

OpenRAN und der große Diversifizierungsschub

Open RAN ist ein intelligentes „Radio Access Network“ (RAN). Die Einführung von Open RAN trägt dazu bei, dass Mobilfunknetzbetreiber flexibel agieren können, indem sie Geräte verschiedener Hersteller verwenden und dennoch Interoperabilität gewährleisten. Die Open RAN-Architektur ist für den Aufbau eines virtualisierten RAN mit KI-gestützter Steuerung konzipiert, was der Schlüssel zur Beherrschung der 5G/6G-Komplexität ist.

Das OpenRAN-Ökosystem wurde 2021 immer stärker und es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Telekommunikationsbranche im 5G-Zeitalter über eine kleine Gruppe großer Anbieter hinausbewegt. Fünf der führenden europäischen Telekommunikationsanbieter – Deutsche Telekom, Orange, Telefónica, TIM und Vodafone – haben sich darauf geeinigt, gemeinsam an offenen Netzwerktechnologien zu arbeiten. Regierungen auf der ganzen Welt unterstützen die Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie die Kommerzialisierung.

Ein Teil dieser Unterstützung ist geopolitisch motiviert. Insbesondere die britische Regierung hat sich nach der Entscheidung, Huawei die Einführung von 5G in Großbritannien zu verbieten, für OpenRAN stark gemacht. OpenRAN könnte jedoch auch die Kosten senken und die Innovation fördern, indem es die Eintrittsbarrieren für kleinere Marktteilnehmer beseitigt. Vodafone UK hat sich verpflichtet, OpenRAN bis 2027 an mindestens 2.500 Standorten einzuführen.

Für 2022 sind weitere Versuche – insbesondere im Hinblick auf die Interoperabilität – und ein Zuwachs an Partnerschaften zu erwarten.

Nachhaltigkeit wird ein Schlüsselthema bleiben

Die Mobilfunkbranche positioniert sich seit langem nicht nur als Förderer des Wirtschaftswachstums, sondern forciert auch einen grünen Ansatz, vor allem, wenn es um Umweltfragen geht. Die Warnungen des UN-Berichts über den Klimawandel und die UN-Klimakonferenz in Glasgow im letzten Jahr haben das Thema Nachhaltigkeit wie nie zuvor in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Die Betreiber haben eifrig damit geworben, dass sie umweltbewusst sind.

Drei prominente Beispiele hierfür sind:

  • Umstellung auf erneuerbare Energiequellen
  • Einführung energieeffizienterer Netzstandards wie 5G
  • Entwicklung von Diensten wie IoT, die es den Kunden ermöglichen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern

Im Jahr 2022 werden wir noch viel mehr davon sehen.

Es ist jedoch auch wichtig, dass die gesamte Branche ihre Bemühungen fortsetzt und beschleunigt.

146 Millionen Tonnen CO2 werden Smartphones in diesem Jahr verursachen, laut einer Prognose von Deloitte.

Obwohl dies weniger als 0,5 % der weltweiten Emissionen ausmacht, sind die Analysten der Meinung, dass diese Menge reduziert werden kann.

Die Produktion sollte energieeffizienter sein, Geräte und Materialien sollten, wo immer möglich, recycelt werden und Handys sollten leichter zu reparieren sein. All diese Maßnahmen werden die Emissionen und den Elektroschrott verringern und es der Mobilfunkbranche ermöglichen, ihr Umweltpotenzial auszuschöpfen. Die oben beschriebene Entwicklung zeigt, dass es Raum für Optimismus gibt.

cyberangriffe

Das Bedürfnis nach mehr Sicherheit aufgrund von Cyberangriffen

Mit der digitalen Transformation finden sich auch neue Wege für kriminelle Machenschaften. Im Jahr 2015 belief sich der weltweit durch Betrug erlangte Betrag auf 3 Billionen Dollar.

Bis 2025 werden es 10,5 Billionen Dollar sein, die durch Betrug und Cyberkriminalität entstehen.

Die Zahlen verdeutlichen, dass das Identitäts- und Zugriffsmanagement für Anwendungen oder Systeme von Unternehmen immer wichtiger wird.

Die Sicherheit der persönlichen Daten und Identität ist heute ein wichtiges Anliegen der Verbraucher. Im Jahr 2021 zeigten analysierte Daten eine deutliche Kluft zwischen den Erwartungen der Verbraucher und den tatsächlichen Erfahrungen. Die Lücke bei der Datensicherheit von mobilen Apps und Diensten (im Vergleich zur Erwartung) beträgt 27 %. Eine solche Lücke deutet in der Regel auf einen Bruch im Vertrauen zwischen Nutzern und einem Produkt hin. Bei der Privatsphäre ist die Diskrepanz mit 1 % geringfügig größer. Kurz gesagt, die Lage sieht ernst aus.

Nach Skandalen wie Phishing oder die Übernahme von Konten sind die Verbraucher besonders besorgt beim Verlust von Geld über ihr Mobiltelefon. Laut der MEF-Umfrage geben 49 % der Befragten an, dass sie sich Sorgen machen, betrogen zu werden und Geld zu verlieren. Der Zugriff von Kriminellen auf ihre persönlichen Daten (d. h. ihre Identität) steht mit 49 % ebenfalls an erster Stelle, der Zugriff auf ihr Mobiltelefon (d. h. die Möglichkeit, Transaktionen zu autorisieren) mit 47 % an zweiter Stelle.

Das Jahr 2022 wird bzw. muss das Jahr sein, in dem die Branche ihre Maßnahmen zur Verhinderung und Aufdeckung von Betrug erhöht. Die dicomsys trägt mit der Zwei-Faktor-Authentifzierung per SMS ihren Teil dazu bei. Diese Methode gilt für die meisten Anwendungen als sehr sicher und ist bei den Verbrauchern beliebt.

Fazit

Es tut sich so einiges in der Mobilfunkbranche. Es wird interessant sein zu sehen, ob sich die großen Mobilfunkanbieter in Europa bereit erklären noch in diesem Jahr zu konsolidieren. Auch das Thema Nachhaltigkeit mit Blick auf den Klimawandel ist ein wichtiger Punkt. Hier kann die Bevölkerung bereits erste Änderungen erkennen, aber es ist ein schnelles Handeln nötig. Die Punkte auf der Agenda zu einem noch umweltfreundlicheren Ansatz müssen in einem höheren Tempo abgearbeitet werden. Ende des Jahres wird sich zeigen, in welchem Umfang bei den in diesem Blogartikel angesprochenen Bereichen Ergebnisse erzielt wurden.